Unglücklich verliebt – Vom Wunsch nach Nähe und Intimität

“Der Gedanke an Inga war inzwischen eine billige Art geworden, Glückshormone in meinem Hirn ausschütten zu lassen. Inga war über die letzten Monate von einer Person zu einem Gefühl mutiert. Inga war das Letzte, woran ich vor dem Einschlafen dachte. Inga war, was mich nicht wieder einschlafen ließ, wenn ich mitten in der Nacht aufwachte. Inga ließ mich direkt morgens wieder zum Smartphone greifen und das Spiel von letzter Nacht wiederholen. Ich fühlte mich Inga.”  (kompletten Text lesen)

Sie war von einer Person zu einem Gefühl mutiert, …

schreibt dieser unglücklich verliebte junge Mann.
Ich ziehe den Hut vor ihm.

Er hat schon viel innere Arbeit geleistet.
Und sehr genau hingeschaut
Und hingefühlt.

Er hat bereits erhebliche Distanz gewonnen zu der Misere, sonst könnte er so eine reflektierte Einschätzung nicht niederschreiben. Bemerkenswert.

Unglücklich verliebt zu sein bringt dir ja zunächst in aller Regel die Totalverwicklung.

Hoffnungen, Erwartungen, Wünsche und Sehnsüchte verknoten sich unheilvoll.

Sie fesseln und knebeln dich und lassen in deinem Kopfkino Horrorfilme laufen.

One Way to Hell.

Hast du dich schon mal gefragt, was eigentlich in dir in Bewegung gekommen ist mit dem unglücklich verliebt sein?

Denn irgendetwas IST ja im Gange, du sitzt schließlich nicht tiefenentspannt auf deinem Meditationskissen und bist mit dir und der Welt im Einklang, oder?

Obwohl das mit dem Medi-Kissen bestimmt keine schlechte Idee wäre …

Ich glaube, die Antwort auf die Frage, was sich da in dir bewegt, ist einfach und naheliegend und zutiefst menschlich:

Du bist in Kontakt gekommen mit deinem Bedürfnis nach Nähe und Intimität.

Dieser Mensch, der dich jetzt unglücklich verliebt sein lässt, hat dich mit diesem Aspekt deines Wesenskerns in Berührung gebracht.
Und du konntest es fühlen.

Ein wundervolles Geschenk einerseits.

Und die Nichterfüllung des Sehnens ein tiefgehender, erschütternder Schmerz andererseits – Nähe und Intimität sind nun mal menschliche Grundbedürfnisse.

Hier kommt ein Vorschlag, der möglicherweise in deinen Ohren erstmal merkwürdig klingen mag.
Denke trotzdem drüber nach:

Verwandle das unglücklich verliebt sein in … Liebe.

Ja!
Im Ernst!
Dieses viel besungene L-Phänomen ist ein Geschenk.
Und ein wirkliches Geschenk erwartet keine Gegenleistung.

“Love is always a giving, never a getting”, Liebe ist immer geben, nie haben wollen, hat ein weiser Mann mal gesagt. Schluss mit unglücklich verliebt.

Wie du üben kannst, damit das unglücklich verliebt sein zu Ende geht

Tu das, was du tust, mit Zärtlichkeit.
Egal was es ist.

Oder nenne es Hingabe.

Oder “nur DAS Eine tun”.

Auch wenn du denkst, das hört sich pathetisch an: Putz deine Zähne mit Herzenswärme. Wasch das Geschirr mit Hingebung ab. Bring den Mülleimer mit Herzlichkeit raus. Mach dein Bett in innerer Verbundenheit. Jogge in hingebungsvoller Innigkeit etc.

Dann findet deine in Bewegung gerate Energie einen neuen Kanal.

Und mach´s dir nicht einfach einfach und denke über mich ´Der spinnt, der Kerl, der war noch nie unglücklich verliebt und hat keine Ahnung´.

An Teil 1 dieses Gedankens könnte vielleicht was dran sein, an Teil 2 nicht. Absolut nicht. Warum das so ist, findest du im Beitrag “Verlassen werden … Dosiertes Fühlen heilt die Verwundung”.

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