“Und seit jeher war es so, daß die Liebe erst in der Stunde der Trennung ihre eigene Tiefe erkennt.” Die Weisheit habe ich gerade bei myzitate.de gefunden. Dort wird sie dem libanesisch-amerikanischen Maler und Dichter Kahlil Gibran zugeschrieben. Viel wichtiger ist mir: Offenbart eine Trennung die Tiefe der Liebe? Ist das so?

Ich habe Widerstand gegen Gedanken.
Ich kann da nicht mitgehen.

Ja, es wird einem schlagartig bewusst, was man verliert, was alles unbemerkt in die Kategorie “Selbstverständlichkeit” gerutscht war in der Zeit des Zusammenseins und dass die Trennung dies einem wegnimmt.

Mir schwant jedoch vielmehr, dass das, was sich da im Moment der Trennung offenbart, viel mehr mit Furcht zu tun hat.

Angst vor der Trennung oder dem Getrennt-sein oder dem Allein-sein oder dem jetzt-ist-alles-aus-Drama.

Angst vor der emotionalen (!! – also nicht der intellektuellen) Begegnung mit der Endlichkeit der Dinge – mit der eigenen Sterblichkeit, mit dem eigenen Tod. Oha.

Theoretisch wissen wir ja, dass wir endlich sind und irgendwann einmal sterben werden.

Aber das intellektuelle Wissen darum ist eines, unsere emotionale Realität ein anderes.

Wir leben so, als ob das Gesetz des Endes von allem was existiert, für uns nicht wirklich gilt.

 

Die Trennung, das Ende einer für unsterblich gehaltenen Liebesgeschichte erinnert uns in rücksichtsloser Härte daran, wie die Dinge wirklich sind. Und wie sehr wir auf dem Holzweg waren.

Ach, bestimmt verstehe ich nur den Satz falsch.
Oder kapier´ ihn einfach nicht.

Vielleicht ermöglicht der Augenblick der Trennung ja tatsächlich einen tiefen Blick.

Als ob all die Zeit vor der Trennung ein Schleier dieses Okular verhüllte, das jetzt plötzlich frei liegt und einen bisher nicht gekannten tiefen Blick erlaubt.
Quelle: http://myzitate.de/zitate.php?q=Khalil+Gibran
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