Sie nennen sich “Wurstbaerchen”, “WurzelPurzel” und “tomatenmarc”. Oder auch “Schwolli”, “schnuppi”, “Dropsi” und “Hirschi1981”. Oder “bierglas63”, “Speckbulette”, “Butterfinger” und “Bananenpeter”.

Schlimmer geht immer!

Du ahnst, worum es hier geht? Genau, um die Pseudonyme, die sich Internet Dating-willige Männer auf ihre virtuellen Profil-Türen kleben. Da ist so mancher Brüller dabei. Echt. Der kann dich umhauen. Vor Scham, wenn du ein Mann bist. Vor mitleidigem Bedauern, wenn du eine Frau bist.

Und so wundert es wenig, dass die Diagnose aus weiblicher Feder vernichtend ausfällt: “Internetmännchen”, die “sich bei Frauen nicht mal ein Hundertstel so anstrengen wie beim Judo, Tennis oder Kicken”, mit “männertypischem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom”, “hoffnungslos underfucked”, “seltsame Wesen”, für die “nur eine Haltung möglich zu sein [scheint]: Die des Ober-Ober-Obersofties”.

Sie hatte sich aufgemacht in die Internet Dating-Cyberworld, kostümiert in zwölf Lockvögel-Profilen, die unterschiedlicher nicht hätten sein können: von “amourdeluxe”, der kühlen Femme fatale, über die romantische Lyrikerin “Lavendelrausch” und die süßliche Klette “JedeMinuteWir” bis zu “Gänseblume46”, der “biederen Hausmutti”.

Warum?
Weil sie wissen wollte, womit Frau den Mann verschreckt, wie er einzufangen ist, worauf er abfährt weil für ihn unwiderstehlich.

Und sie wollte wissen, was sich Männer auf Partnersuche-Portalen bieten lassen. Von einer Frau, mit der sie gerne was anfangen würden. Die Antwort:

Alles!

Die Richterskala der sexuellen Not ist nach oben offen.

“Lust auf fikken?” – ja, ich zitiere richtig, zwei “k” – heißt denn auch bezeichnenderweise das (Taschen-)Buch, das nach eineinhalb Jahren “knallharter Recherche” bei Knaur kürzlich erschienen ist. In flotter, humorvoller und intelligenter Schreibe katapultiert dich Autorin “amaryllis26” weit hinaus in die große weite Welt des virtuellen Flirtens. Aber wirklich gaaanz weit hinaus…

Ich habe mich enorm amüsiert bei der Lektüre, mitunter saß ich Schenkel klopfend und Tränen lachend im Sessel. Bis mir das Lachen im Halse stecken blieb: Im anonymen virtuellen Raum wird all das Männer-Elend in erschreckender Geschwindigkeit deutlich, das sich aus Unsicherheit, Unbeholfenheit und Verlogenheit ableitet, aus Unwissen über die Liebe und klischeehaftem männlichem Rollenverständnis.

“Die meisten Männer glauben anscheindend, sie könnten nur ans Ziel kommen, indem sie das Ziel verheimlichen. Aus Angst, am Ende in einer völlig sexfreien Beziehung zu landen, wollen sie diesen Punkt aber doch noch irgendwie anbringen – aber natürlich nicht zu direkt, um die Frau nicht zu verschrecken.” Schreibt amaryllis 26. Und schlussfolgert:

“Vor purer Lust scheinen sie alle Angst zu haben.”

Solltest du jetzt denken, nein, das ist nichts für mich, das muss ich nicht lesen, nee nee, mit Internetdating hab´ ich nichts am Hut, dann: S T O P !!! Dir entginge zum einen

  • ein gehaltvoller und noch unterhaltsamerer Flirt-Ratgeber – auch für die ganz reale Offline-Welt!!! –
  • und eine bemerkenswerte Sammlung von Weisheiten über die Liebe und weiblichen Sehnsüchten und Hoffnungen.

Als Appetitanreger hier einige amaryllis26-Erkenntnisse:

“Internetdating ist cool, romantisch und extrem aussichtsreich, wenn man es nur richtig anstellt.”

“Männer brauchen Klarheit.”

“Es gibt nichts Anziehenderes als einen Mann, der einen gar nicht braucht.”

“Ihr dürft euch von unserer leichten Schizophrenie nicht täuschen lassen. Dass wir die Auswüchse dumpfen Machotums in unseren Profiltexten anprangern, heißt nicht, dass wir einen echten Wiener Macho reizlos finden. Überhaupt macht ihr einen Fehler, wenn ihr uns nach dem Mund redet.”

“Die Idee, dass Flirten etwas mit Kampf zu tun hat, ist den meisten Männern verlorengegangen.”

“Die Internet-Männchen weichen dem weiblichen Zorn in vorauseilendem Gehorsam aus – und werden dadurch so grauenhaft unattraktiv. Das ist natürlich nicht nur im Netz so. Es ist das Grundübel unserer Geschlechterverhältnisse.”

Und viele andere lesenswerte Gedanken und Vorschläge mehr… [hier klicken]

Die wissenswerte Absicht der Autorin: “Dieses Buch widme ich allen Frauen, die dasselbe Elend erlebt haben wie ich. Und die mal richtig darüber lachen wollen. Ich habe es aber auch für die Männer geschrieben. Die Intelligenteren unter euch werden schnell merken, dass man das Buch auch rückwärts lesen kann: als den besten Internetdating-Ratgeber der Welt”. An Selbstbewusstsein mangelt es der belesenen und sprachgewandten amaryllis26 jedenfalls nicht. Ultimativ und komprisslos setzt sie zum Höhepunkt an:

“Und wenn ihr auch nur 30 Prozent richtig macht, seid ihr da draußen im Netz wie Mesut Özil auf einem Fußballturnier der Hamburger Grundschulen. Leicht im Vorteil.”

Nicht ganz unwichtige Fußnote:
Die Autorin hat bei ihrem Experiment tatsächlich den Mann ihres Lebens gefunden!!!


“Es gibt nichts Anziehenderes als einen Mann, der einen gar nicht braucht.”
Hinterlasse deinen Kommentar!

 

Du hilfst mir sehr, wenn du diesen Beitrag mit deinen Kontakten teilst.
Vielen Dank!

Menü